{"id":920,"date":"2018-05-08T00:58:52","date_gmt":"2018-05-07T22:58:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.slovokult-literatur.de\/?page_id=920"},"modified":"2018-05-08T01:27:15","modified_gmt":"2018-05-07T23:27:15","slug":"04-franz-kafka","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.slovokult-literatur.de\/index.php\/aussage-gegen-ausdruck\/04-franz-kafka\/","title":{"rendered":"04:: Franz Kafka"},"content":{"rendered":"<h4><a href=\"http:\/\/www.slovokult-literatur.de\/index.php\/aussage-gegen-ausdruck\/\">Aussage::vs::Ausdruck<\/a><\/h4>\n<h3>Franz Kafka<\/h3>\n<h3><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-923\" src=\"http:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Franz-Kafka-in-der-Altstadt-von-Prag-um-1920-200x300-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/h3>\n<h3>Ein Traum<\/h3>\n<p>Josef K. tr\u00e4umte:<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-924 size-full\" src=\"http:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/kafka5.png\" alt=\"\" width=\"269\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/kafka5.png 269w, https:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/kafka5-231x300.png 231w\" sizes=\"(max-width: 269px) 100vw, 269px\" \/>Es war ein sch\u00f6ner Tag und K. wollte spazierengehen. Kaum aber hatte er zwei Schritte gemacht, war er schon auf dem Friedhof. Es waren dort sehr k\u00fcnstliche, unpraktisch gewundene Wege, aber er glitt \u00fcber einen solchen Weg wie auf einem rei\u00dfenden Wasser in unersch\u00fctterlich schwebender Haltung. Schon von der Ferne fa\u00dfte er einen frisch aufgeworfenen Grabh\u00fcgel ins Auge, bei dem er haltmachen wollte. Dieser Grabh\u00fcgel \u00fcbte fast eine Verlockung auf ihn aus und er glaubte, gar nicht eilig genug hinkommen zu k\u00f6nnen. Manchmal aber sah er den Grabh\u00fcgel kaum, er wurde ihm verdeckt durch Fahnen, deren T\u00fccher sich wanden und mit gro\u00dfer Kraft aneinanderschlugen; man sah die Fahnentr\u00e4ger nicht, aber es war, als herrsche dort viel Jubel.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er den Blick noch in die Ferne gerichtet hatte, sah er pl\u00f6tzlich den gleichen Grabh\u00fcgel neben sich am Weg, ja fast schon hinter sich. Er sprang eilig ins Gras. Da der Weg unter seinem abspringenden Fu\u00df weiter raste, schwankte er und fiel gerade vor dem Grabh\u00fcgel ins Knie. Zwei M\u00e4nner standen hinter dem Grab und hielten zwischen sich einen Grabstein in der Luft; kaum war K. erschienen, stie\u00dfen sie den Stein in die Erde und er stand wie festgemauert. Sofort trat aus einem Geb\u00fcsch ein dritter Mann hervor, den K. gleich als einen K\u00fcnstler erkannte. Er war nur mit Hosen und einem schlecht zugekn\u00f6pften Hemd bekleidet; auf dem Kopf hatte er eine Samtkappe; in der Hand hielt er einen gew\u00f6hnlichen Bleistift, mit dem er schon beim N\u00e4herkommen Figuren in der Luft beschrieb.<\/p>\n<p>Mit diesem Bleistift setzte er nun oben auf dem Stein an; der Stein war sehr hoch, er mu\u00dfte sich gar nicht b\u00fccken, wohl aber mu\u00dfte er sich vorbeugen, denn der Grabh\u00fcgel, auf den er nicht treten wollte, trennte ihn von dem Stein. Er stand also auf den Fu\u00dfspitzen und st\u00fctzte sich mit der linken Hand auf die Fl\u00e4che des Steines. Durch eine besonders geschickte Hantierung gelang es ihm, mit dem gew\u00f6hnlichen Bleistift Goldbuchstaben zu erzielen; er schrieb: \u203aHier ruht\u00a0\u2013\u2039 Jeder Buchstabe erschien rein und sch\u00f6n, tief geritzt und in vollkommenem Gold. Als er die zwei Worte geschrieben hatte, sah er nach K. zur\u00fcck; K., der sehr begierig auf das Fortschreiten der Inschrift war, k\u00fcmmerte sich kaum um den Mann, sondern blickte nur auf den Stein. Tats\u00e4chlich setzte der Mann wieder zum Weiterschreiben an, aber er konnte nicht, es bestand irgendein Hindernis, er lie\u00df den Bleistift sinken und drehte sich wieder nach K. um. Nun sah auch K. den K\u00fcnstler an und merkte, da\u00df dieser in gro\u00dfer Verlegenheit war, aber die Ursache dessen nicht sagen konnte. Alle seine fr\u00fchere Lebhaftigkeit war verschwunden. Auch K. geriet dadurch in Verlegenheit; sie wechselten hilflose Blicke; es lag ein h\u00e4\u00dfliches Mi\u00dfverst\u00e4ndnis vor, das keiner aufl\u00f6sen konnte. Zur Unzeit begann nun auch eine kleine Glocke von der Grabkapelle zu l\u00e4uten, aber der K\u00fcnstler fuchtelte mit der erhobenen Hand und sie h\u00f6rte auf. Nach einem Weilchen begann sie wieder; diesmal ganz leise und, ohne besondere Aufforderung, gleich abbrechend; es war, als wolle sie nur ihren Klang pr\u00fcfen. K. war untr\u00f6stlich \u00fcber die Lage des K\u00fcnstlers, er begann zu weinen und schluchzte lange in die vorgehaltenen H\u00e4nde. Der K\u00fcnstler wartete, bis K. sich beruhigt hatte, und entschlo\u00df sich dann, da er keinen andern Ausweg fand, dennoch zum Weiterschreibcn. Der erste kleine Strich, den er machte, war f\u00fcr K. eine Erl\u00f6sung, der K\u00fcnstler brachte ihn aber offenbar nur mit dem \u00e4u\u00dfersten Widerstreben zustande; die Schrift war auch nicht mehr so sch\u00f6n, vor allem schien es an Gold zu fehlen, bla\u00df und unsicher zog sich der Strich hin, nur sehr gro\u00df wurde der Buchstabe. Es war ein J, fast war es schon beendet, da stampfte der K\u00fcnstler w\u00fctend mit einem Fu\u00df in den Grabh\u00fcgel hinein, da\u00df die Erde ringsum in die H\u00f6he flog. Endlich verstand ihn K.; ihn abzubitten war keine Zeit mehr; mit allen Fingern grub er in die Erde, die fast keinen Widerstand leistete; alles schien vorbereitet; nur zum Schein war eine d\u00fcnne Erdkruste aufgerichtet; gleich hinter ihr \u00f6ffnete sich mit absch\u00fcssigen W\u00e4nden ein gro\u00dfes Loch, in das K., von einer sanften Str\u00f6mung auf den R\u00fccken gedreht, versank. W\u00e4hrend er aber unten, den Kopf im Genick noch aufgerichtet, schon von der undurchdringlichen Tiefe aufgenommen wurde, jagte oben sein Name mit m\u00e4chtigen Zieraten \u00fcber den Stein. Entz\u00fcckt von diesem Anblick erwachte er.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Franz Kafka:: Der Denker:: 1913<\/h4>\n<p><a href=\"http:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/The-Thinker-1913.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-926 size-medium\" src=\"http:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/The-Thinker-1913-258x300.jpg\" alt=\"\" width=\"258\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/The-Thinker-1913-258x300.jpg 258w, https:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/The-Thinker-1913-e1525735301499-129x150.jpg 129w, https:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/The-Thinker-1913-400x465.jpg 400w, https:\/\/www.slovokult-literatur.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/The-Thinker-1913.jpg 550w\" sizes=\"(max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aussage::vs::Ausdruck Franz Kafka Ein Traum Josef K. tr\u00e4umte: Es war ein sch\u00f6ner Tag und K. wollte spazierengehen. 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